Rotrotgrün oder Kenia oder Duldung?
Muss die SPD direkt nach der Wahl eine Koalitionsentscheidung für Berlin treffen?
Vor wenigen Tagen hat Berlin gewählt. Da Regierungsmehrheiten ohne SPD und Grüne praktisch nicht möglich sind, wird von allen Seiten gefragt: "Was wollt Ihr? Rotrotgrün oder Kenia? Auch bei mir gehen viele Fragen und dringend formulierte Empfehlungen ein. Die einen sagen "Ihr werdet doch wohl mit Blick auf das Wahlergebnis mit der Partei Die Linke koalieren?" Die anderen sagen "Ihr werdet doch wohl mit Blick auf den Landesverband der Linken nicht etwa mit denen regieren wollen?". Und dann gibt es aus der Partei heraus noch eine weitere Gruppe, die nach einer Tolerierung einer Minderheitsregierung, ohne dass die SPD selber am Senat beteiligt wäre.
Bei mir kommen die Befürworter von "unbedingt mit den Linken regieren" und "auf gar keinen Fall mit den Linken regieren" etwa gleich zahlreich vor. Beidem kann man nicht gleichzeitig gerecht werden.
Aber ist es jetzt überhaupt die Aufgabe der SPD, in diesen Tagen nach der Wahl die Koalitionsfrage zu entscheiden?
Von mir ein klares Nein dazu!
Gesprächsangeboten zu Sondierungen zu folgen, ist normal. Wenn Die Linke als stärkste Partei der Wahlen vom 20.9.26 eine Koalition zu bilden versucht, dann sollte man die Sondierung darüber nicht verweigern. Die Frage, ob oder welche Koalition aber in Berlin zustande kommt, beantwortet sich später:
Nicht die Berliner Grünen, nicht die SPD sind jetzt gefragt, sondern zuallererst die Partei Die Linke selbst. Sie muss wissen und zeigen, ob sie wirklich regierungsfähig und regierungswillig ist. Sie wird nicht umhin kommen, eine Haltung zu den folgenden Themen zu entwickeln:
- Antisemitismus und Bündnisse mit der Berliner Plattform der Terrororganisationen Hamas und PFLP ("VPNK") - Hier ist klare Haltung gefragt, die man bisher nicht bei der Berliner Linken erkennen kann. Es geht nicht nur um Kontakte einzelner Parteimitglieder oder Abgeordneter, sondern auch um ein ständiges Bündnis zwischen der LAG Palästinasolidarität der Linkspartei und dem im Verfassungsschutzbericht erwähnten VPNK.
- Die Haltung der Linken zur Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen und den Milliardenbelastungen durch Entschädigungszahlungen muss geklärt werden. Jahrelanger Stillstand durch gerichtliche Überprüfungen drohen und gefährden sowohl den Neubau als auch die Fokussierung auf andere Maßnahmen für den Schutz der Mieterinnen und Mieter.
- Bisher völlig unterschätzt wird der erforderliche realpolitische Umgang mit den Berliner Landesfinanzen. Aktuell klafft eine Milliardenlücke im Landeshaushalt, die Rücklagen sind aufgebraucht, Spielraum für neue teure Projekte aus dem Wahlprogramm der Linken ist nicht erkennbar. Findet die Linke einen realpolitischen Zugang zur Haushaltspolitik? Ungesteuerte Haushaltsdefizite verstärken nicht nur das Risiko verfassungswidriger Haushalte, sie blockieren über die Zinslasten auch den Spielraum für sozial- oder bildungspolitische Programme in 5 bis 10 Jahren.
Die Haltung zu diesen Themenkomplexen bestimmt letztlich über die Regierungsfähigkeit und den Regierungswillen der Linken in Berlin. Nicht wir sind jetzt am Zug, sondern sie! Erst dann stellen sich weitergehende Fragen.








