Ich war gerne Abgeordneter!
Das amtliche Endergebnis war leider für mich nicht dem "vorläufigen" identisch
Ja, es stimmt: Ich war gerne Abgeordneter! Es ist eine Aufgabe, die mit vielen unregelmäßig auftretenden Terminen verbunden ist, zum Beispiel abends und am Wochenende. Es ist damit verbunden, viel Unzufriedenheit "abzubekommen", zum Beispiel weil Prioritäten im Umgang mit Steuergeldern gesetzt werden müssen. Aber es ist eine schöne Aufgabe, weil man zur Lösung von Problemen beitragen und weil man sich für die "res publica" einsetzt, die öffentlichen Angelegenheiten, die das Miteinander in einer demokratischen Gesellschaft bestimmen.
Aber heute habe ich durch das amtliche Endergebnis der Abgeordnetenhauswahl vom 20.9.2026 erfahren, dass ich in der kommenden Wahlperiode nicht dabei sein darf. Seit der Wahl stand ich auf der vorläufigen Liste der Gewählten, aber eine Überprüfung von Stimmen im Bezirk Spandau hatte dann zur Folge, dass ein Überhang- und mehrere Ausgleichsmandate wegfielen - darunter auch meines.
So eine Überprüfung der Stimmergebnisse ist kein Grund zu lamentieren. Wenn Ergebnisfehler noch nach dem Wahlabend gefunden werden, spricht das für die Integrität des Wahlprozesses und nicht dagegen. Das ist eine wichtige Feststellung in Zeiten, in denen Politiker die Vertrauenswürdigkeit von Wahlen gleich in Frage stellen, wenn sie nicht für sie erfolgreich verlaufen sind. Nein, es waren keine "rigged elections" in Berlin, das Endergebnis war eben noch vorläufig und konnte sich daher ändern.
Welche Herausforderung das Wahlergebnis in Berlin dennoch darstellt, habe ich schon beschrieben. Zeigt sich Die Linke wirklich als regierungsfähige Partei? Wäre die andere Koalitionsmöglichkeit wirklich stabiler angesichts ihrer knappen Mehrheit? Und sollte die SPD nicht lieber mal in die Opposition? Letzteres habe ich 2023 vehement befürwortet, aber dieses Wahlergebnis 2026 gibt es gar nicht her, dass Grüne oder SPD über ihre Rolle entscheiden können. Auch in einem Tolerierungsmodell regiert man letztlich mit. Und wenn man - wie die Grünenvorsitzende Franziska Brantner fordert - das Innen- und Justizressort lieber nicht den Linken überlassen möchte, geht das auch nicht aus der Tolerierung.
Also tatsächlich ein schwieriges Wahlergebnis....
Ich bleibe politisch, auch ohne das "MdA" hinter dem Namen. Ich war es immer, aber in diesen Zeiten immer weiter gehender Radikalisierung halte ich es für zunehmend wichtig, sich zu engagieren. Beruflich schreckt mich meine aktuelle Situation nicht, ich bin es seit 25 Jahren gewohnt, ausschließlich befristet zu arbeiten. In meiner Arbeit für das Diakonische Werk hatte ich einen befristeten Vorstandsvertrag, der einmal verlängert wurde. Und wenn ich in der Politik war - da weiß man nie, ob es über das Ende der Wahlperiode weitergeht.








